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Bemerkung: Hier einigermaßen zusammenhängende Problemkomplexe, die theoretisch so bleiben könnten

1. Problem: Die Sinn-Halbwertszeit und das fehlende überindividuelle Gedächtnis (->Dekadenz?) BG

  • Beschreibung: Die Menschheit hat schon sehr viele große Probleme gehabt und die meisten von ihnen irgendwann einmal sogar erfolgreich gelöst. Diese Lösungen haben aber leider die Tendenz, sich mit der Zeit zu verflüchtigen: Ideen, Regeln, Gesetze werden einmal erdacht und aufgeschrieben. Doch was von ihnen überlebt, ist nur das Geschriebene und mit der Zeit verliert der Sinn genauso an Bedeutung, wie der Buchstabe an Wert gewinnt. Nachdem also einmal gefundene Lösungen immer wieder vergessen werden, läuft die Menschheit Gefahr, auf der Stelle zu treten.
  • Beispiele: Perikles richtet in Athen die erste Form der Demokratie ein - in Folge wird diese von den Athenern in beängstigender Regelmäßigkeit dazu misbraucht, ihre besten Politiker, Philosophen und Feldherren zu verbannen. Die DDR hat gezeigt, dass Daten, die über die Bürger einmal gesammelt sind, auch gegen diese verwendet werden. Daraus hatte man in Deutschland eine Lehre gezogen und dem Datenschutz eine hohe Bedeutung zugemessen und diese auch gesetzlich geschützt. Nun ist das abschreckende Beispiel weggefallen und schon vergisst man das Problem und ein Datenschutzgesetz nach dem anderen wird ausgehöhlt.
  • Lösungsansätze: "Gesetzeswächter", Begründungen bei Gesetzen aufführen, Fortschritts-"Wächter" mit Beamtenstatus (wie Professoren etc.)...

2. Problem: Die Überstrapazierung des Kapitalismus BG

  • Der Kapitalismus ist grundsätzlich eine gute Idee, da er durch die hohen Freiheitsgrade die Potentiale der beteiligten Menschen im Prinzip gut ausnutzt. Allerdings entwickelt sich der Kapitalismus heute losgelöst von allen bewährten Regeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und wendet sich damit gegen seine Schöpfer, die Menschen. Außerdem wird er als inzwischen einziges gesellschaftliches Paradigma verwendet: Alles wird ihm untergeordnet und es existieren keine parallelen gesellschaftlich anerkannten Verhaltensfundamente mehr.
  • Beispiele: Wer sich Zeit nimmt für Literatur oder Familie, gilt als Zurückgebliebener, als Exzentriker, als Versager. Wer sich selbst zugrunde richtet, indem er eine einseitige Tätigkeit 60 Stunden die Woche verfolgt und die Gesellschaft zugrunde richtet, indem er sich weder in eine Familie noch in eine sonstige menschliche und auf Gegenseitigkeit beruhende Gemeinschaft einbringt, erntet Ansehen und Erfolgszuschreibungen.
  • Lösungsansätze: Ein offensiver Dialog über die Chancen und Grenzen des Kapitalismus und die Notwendigkeit zu einer mehrsäuligen Erfolgsdefinition für das menschliche Leben. Eine intensivierte Frage nach der Quelle des wahren Glücks und nach den Schattenseiten des reinen Materialismus.

3. Problem: Die Last der Geschichte oder das Problem des schaffenden Menschens Michi

  • "Alles wiederholt sich nur im Leben, / Ewig jung ist nur die Phantasie, / Nur was sich nie und nirgends hat begeben, / Das allein veraltet nie!" Diese vier Verse aus Schillers Gedicht "An die Freunde" können, glaube ich, nicht nur als hoch konzentriertes Kondensat aus Schillers Lehre, sondern auch als Ausdruck eines allgemeinmenschlichen Bedürfnisses gelesen werden. Der Mensch mag schaffen, neues schaffen, kreativ Dinge hervorbringen und auf die Welt außerhalb seiner selbst in irgendeiner Weise einwirken. So wird er selbst-bewusst und kann seine Möglichkeiten entdecken.
  • Doch wird heute die Möglichkeit aktiv zu werden weithin unterbunden. Scheinbar neue Ideen werden meist schnell als alt und bereits veraltet herausgestellt; alles Wichtige ist schon irgendwo produziert, alles Schlaue schon irgendwo aufgeschrieben, alles Schöne schon irgendwo geschaffen. Durch die Präsenz der Geschichte und die gute Bildung sind diese Dinge bekannt und durch die Erreichbarkeit jedes erdenklichen Ortes durch Informationen, augenblicklich und exakt verfügbar.
  • Dies treibt Wissenschaftler und Techniker in hoffungsloses Spezialistentum, stempelt Denker und Theoretiker zu reinen Schriftgelehrten ab, die lediglich bereits Vorhandenes kennen und verwalten müssen und zwingt Künstler dazu, Abstruses und Wirres aus dem Material, der Materie, herauszukämpfen.

4. Problem: Mit Gentechnik und Hirnforschung fokusieren die Wissenschaften in gefährlicher Weise den Menschen Michi

  • Es richtete sich früher die exakte Wissenschaft nur auf die "äußere Welt", doch die Entwicklungen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts führten unvermeidbar dazu, dass auch der Mensch in neuer und exakter Weise Forschungsgegenstand wurde. Wie alle exakten Wissenschaften streben auch Gen- und Hirnforschung praktische Anwendungen an.
  • Ist die instinktive Abneigung die wir dagegen empfinden - ich unterstelle sie einfach einmal allgemein - nur Rückständigkeit und ein Rest Religiosität oder zählt der Mensch wirklich vielleicht mehr als andere physikalische oder organische Körper?
  • Dass dies nicht nur Panikmache und Zukunftsmusik ist, zeigen die bereits vorhandene Möglichkeit der pränatalen Diagnostik - Kinder die nicht wunschgemäß sind können abgetrieben werden, z.B. in Indien Mädchen, wegen der hohen Mitgift - und Äußerungen, wie die des Hirnforschers Manfred Spitzer, der einmal in einem Fernsehgespräch sagte, er halte es für erstrebenswert Poliker vor Amtsantritt unter den Scanner zu legen, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu testen.

5. Problem: Ausbleibender Sinneswandel bezüglich der globalen Umweltprobleme Michi

  • Es wird viel von Umweltschutz geredet und es ist scheinbar "Öko" gerade auch wieder in Mode. Trotzdem wird hier viel zu wenig gemacht und die der Problematik angemessene, im wahrsten Sinne des Wortes, notwendige Denkweise hat sich noch lange nicht durchgesetzt.
  • Noch kann nur für den Umweltschutz geworben werden, wenn, wie dies z.B. der "Stern-Bericht" tut, die wirtschaftliche Seite allein in den Vordergrund gestellt wird. Aber spielt in dieser existentiellen Angelegenkeit wirklich noch Kapital eine Rolle und ist dies, wenn überhaupt, nicht nur eine angenehme Begleiterscheinung? Man halte sich vor Augen, dass seit der letzten Eiszeit die Durchschnittstemperatur um etwa 4 Grad gestiegen ist, während sie bis 2100 um weitere 5,8 bis 6 Grad ansteigen soll. Für Spanien wird prognostiziert, dass es, ebenfalls in etwa hundert Jahren, zu 70 Prozent aus Wüste bestehen soll; Nordbayern wird viel trockener und heißer, Südbayern feuchter werden; auf der Zugspitze schmelzen schon jetzt die Gletscher ab,... (Dies nur zur Veranschaulichung, dass Klimawandel auch bei uns stattfindet.)
  • Es ist ein allumfassender Sinneswandel nötig, der mehr als eine kurzfristige Modeerscheinung ist. Es muss diese neue Denkweiße noch die kleinsten Alltäglichkeiten durchdringen und wirklich Tat-sache werden. Die "graue Theorie" muss zur "grünen Praxis" werden. Und dies muss geschehen bevor, wie man so schön sagt, der Leidensdruck noch größer wird, andernfalls ist es vielleicht zu spät!

6. Problem: Die radikale Wirkung ungebundener menschlicher Kräfte Michi

  • Der Mensch hat ein tiefes Bedürfnis nach Aktivität. Kann dieses Bedürfnis nicht sinnvoll irgendwo eingegliedert werden, kommt es zu unkontrollierten Reaktionen, unter Umständen zu terroristischen Akten.
  • Es ist dies im Großen und Ganzen die These des Soziologen Prof. Dr. Gunnar Heinson. Nach ihm führen zu viele Söhne zwangsläufig zu Gewalt. Der religiöse Fatalismus, wie heute bei den radikalen Islamisten, kommt dann praktisch erst im nachhinein als theoretischer Überbau dazu. Er zeigt dies sehr überzeugend - was schon wieder zu Misstrauen führen muss - anhand vieler Beispiele aus der Geschichte. Zum Beispiel haben die Engländer immer viele Kinder gehabt, konnten diese aber in ihre Kollonien auslagern und heute gibt es eben fast keine Auslagerungsmöglichkeiten mehr. Mit atemberaubenden Zahlen rechnet uns Herr Heinson vor, was uns in den nächsten zwanzig Jahren noch bevorsteht.
  • Nach Heinson ist auch die Floskel "make love not war" nicht falsch, sondern ihr exaktes Gegenteil richtig. Kulturen dürfen nur soviele Kinder hervorbringen, wie sie sinnvoll eingliedern können.

Hier unnummerierte Ideen, die noch genauerer Überarbeitung bedürfen